Wer Marketing-Trends 2026 googelt, stößt auf massiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Video-Dominanz und Zero-Click-Marketing.
Und das ist für die Marketer sicherlich auch gut und richtig. Aber es denkt eben nicht das mit, was die Nutzer wollen. Die haben nämlich die Nase voll von poliertem KI-Content und aufdringlichen omnipräsenten Werbeformaten. Gerade in der Landwirtschaft, wo Bodenhaftung quasi angeboren ist, wächst der Wunsch nach ehrlichen Formaten.
Vier aktuelle Trends zeigen, wohin sich Markenkommunikation 2026 wirklich bewegt – jenseits der Buzzword-Bingo-Floskeln.
Gezielte Verlangsamung
Höher, schneller, weiter. Im Marketing war uns allen in den letzten Jahren kein technisches Gimmick zu viel, um das nächste krasse Format aus dem Boden zu stampfen und dabei war Schnelligkeit der entscheidende Faktor. Wir sehen es gerade an dem Hype um die Gerba-Animationen (ich muss neidlos anerkennen: das ist richtig geil gemacht). Aber die Nachahmer lassen nicht lange auf sich warten. Und schon verpufft eine eigentlich tolle Idee zum Massenphänomen.
Erste Nutzergruppen wenden sich deshalb bewusst langsameren Formaten zu. Substack ist z. B. so ein Ding – in den USA bereits vielfach genutzt und so langsam beginnt Substack auch bei uns zu zünden. Was dabei allerdings entscheidend ist: Hier gewinnt nicht mehr der coolste und schnellste, sondern derjenige mit dem längsten Atem und den besten Gedanken.Substack wird vielleicht nicht die neue Top Agrar – es zeigt aber doch, dass auf den ersten Blick rückständige Formate funktionieren. Deswegen: Mehr Mut zu guten Texten.
Micro-Experiences
Unser Alltag ist mittlerweile auf überwältigende Weise angefüllt mit News, Content und Eindrücken. Dafür ist unser Gehirn nicht ausgelegt. Kein Wunder, dass so viele Menschen auf der Suche nach einer Zuflucht sind. Und – oh Wunder – der kleine Moment wird wieder besonders. Umso verspielter, umso besser. Das zeigt z. B. der amerikanische Hot-Sauce-Hersteller BurnRate, der seine Sauce als Sonderedition in einen 100-Dollar-Schein gehüllt hat. Der Hype ließ natürlich nicht lange auf sich warten.
Auch für die Agrar-Bubble kann das spannend sein. Wer Landwirte erreichen will, muss weiterdenken als bis zum nächsten Social Media-Post. Jeder Kontaktpunkt bietet Potenzial. Warum also nicht mal einen Lieferschein mit einer persönlichen Botschaft versehen? Eine Probierflasche Korn gebrannt in der Region an Stammkunden verschicken – handschriftlich beschriftet? Oder ein Giveaway gestalten, das so charmant und schräg ist, dass es auf dem Küchentisch landet statt im Müll?
Inkonsequent gewinnt
In einer Welt mit AI-Content der glattgebügelter ist als so manche Promi-Stirn, wird das Unperfekte zum Wiedererkennungsmerkmal. ChatGPT und Co. produzieren heute auf Knopfdruck und in Sekundenschnelle Posts im perfekten Coporate-Stil. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist nicht weniger als die Menschlichkeit. Und wir verkennen etwas Entscheidendes: Unsere Kunden sind Menschen und keine Roboter (Gott bewahre, dass das auch so bleibt). Menschen überzeugt man aber eben nicht mit Perfektion, sondern mit Authentizität.
Insbesondere in der Landwirtschaft ist Authentizität lebenswichtig, um im Marketing zu überleben. Und jetzt mal ganz ehrlich, ich kenne kaum Menschen, die so eigensinnig und besonders sind wie die Landwirte. Das macht sie ja auch aus. Wer im Marketing auf Corporate-lastigen Content mit 20 Feedback-Schleifen und ohne jegliche Meinung setzt, verkennt genau das.
Mehr ist mehr
Weiß, blau und ein paar Akzente in beige. Dazu ein großes Logo und fertig ist der Social Media-Post. Das war der Stil der 2010er-Jahre. Marken wie Apple haben den Minimalismus entscheidend geprägt. Ab 2026 ist das aber offiziell vorbei. Überladene, mysteriöse und opulente Designs sind das neue Ding. Barock 2.0 quasi. Auf TikTok heißt das so viel wie „weird but wow“ statt „clean & nice“.
Und ich glaube, etwas mehr Mut zu ausgefallenen Designs kann auch in der Agrar-Welt nicht schaden. Schauen wir uns auf den bekannten Messen um, sehen wir gute Designs – aber selten welche, die im Gedächtnis bleiben. Ob die Big Player hier voran gehen werden, mag ich zu bezweifeln. Für alle, die noch neu am Markt sind, kann das aber eine riesige Chance sein, ihr Anderssein zum USP auszubauen.
Was haben alle vier Trends gemeinsam? Sie nehmen die Menschen wieder ernst. Egal, ob in der Landwirtschaft oder in anderen Branchen.