Influencer-Marketing hat längst auch die Landwirtschaft erreicht – vom Trecker-Vlog bis zum Stallalltag auf Instagram. Doch nicht jeder Creator mit großer Reichweite ist automatisch der richtige Partner für Ihr Unternehmen. Wer beispielsweise als Saatgut- oder Maschinenhersteller auf Influencer-Marketing setzt, sollte genau hinschauen, bevor die erste Kooperation startet. Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt.
1. Reichweite ist nicht alles: Relevanz vor Followerzahl
Der Reflex ist verständlich: Je mehr Follower, desto größer die Wirkung – so die Theorie. In der Landwirtschaft gilt das nur bedingt. Ein Creator mit 5.000 Followern, die größtenteils selbst Landwirte sind, bringt Ihnen mehr als einer mit 50.000 Followern, der größtenteils Öffentlichkeitsarbeit betreibt und damit viele (oberflächlich) landwirtschaftsinteressierte Menschen erreicht.
Schauen Sie sich die Community genau an: Wer folgt diesem Account wirklich – und sind das Ihre potenziellen Kunden?
2. Werte- und Themen-Fit prüfen
Bevor Sie anfragen, sollten Sie genau hinschauen, wofür der jeweilige Creator eigentlich steht. Ein Bio-Betrieb als Gesicht für hochintensive Pflanzenschutzmittel anzufragen, bedeutet nur eins: Sie haben sich keine Mühe bei der Recherche gegeben.
Die meisten etablierten Agrar-Creator haben ein klares Werteverständnis und lehnen Kooperationen ab, die nicht zu ihrem Betrieb oder ihrer Haltung passen. Im besten Fall verläuft die Anfrage einfach im Sand.
Im schlechtesten Fall macht der Creator die unpassende Anfrage öffentlich – und das Unternehmen wirkt vor der eigenen Zielgruppe ahnungslos. Prüfen Sie also vorab, ob Werte, Betriebstyp und bisherige Inhalte des Creators wirklich zu Ihrer Marke passen. Das ist nicht nur höflich, sondern schützt Sie vor einem peinlichen Fehlstart.
3. Engagement-Rate statt Vanity-Metrics
Followerzahlen lassen sich kaufen oder künstlich aufblähen – Engagement deutlich schwerer. Schauen Sie sich an, wie viele Kommentare, Shares und echte Diskussionen unter den Beiträgen entstehen. Und vergleichen Sie das ruhig mal mit anderen Accounts.
Eine Faustregel: Liegt die Engagement-Rate deutlich unter dem Branchendurchschnitt, lohnt ein zweiter Blick. Noch aufschlussreicher: Lesen Sie die Kommentare selbst. Stehen da echte Fragen von Landwirten oder nur Emoji-Floskeln?
4. Plattform-Wahl: Wo ist die Zielgruppe wirklich aktiv?
Nicht jede Plattform funktioniert gleich gut für jede Zielgruppe. Instagram und YouTube sind in der Agrar-Community seit Jahren etabliert, TikTok holt spürbar auf – gerade bei jüngeren Landwirten und Hofnachfolgern. Bevor Sie sich auf einen Creator festlegen, lohnt sich die Frage: Wo verbringt meine Zielgruppe tatsächlich Zeit, und wo passt mein Produkt inhaltlich am besten hin?
Übrigens: TikTok haben bisher die wenigstens Agrar-Unternehmen für ihr Influencer Marketing auf dem Schirm. Das könnte Ihr unfairer Wettbewerbsvorteil werden… just sayin‘ 😉
5. Authentizität testen: Nutzt der Creator das Produkt wirklich?
Landwirte sind eine vergleichsweise kritische, gut vernetzte Zielgruppe. Wird hier ein Produkt offensichtlich nur für die Kamera angepriesen, ohne dass der Creator es im Betriebsalltag wirklich einsetzt, fällt das schnell auf – und schadet im Zweifel mehr, als es nützt. Den ein oder anderen Shitstorm hat es da schon gegeben. Im Idealfall hat der Influencer bereits eine echte Beziehung zu Ihrem Produkt oder ist zumindest glaubwürdig in der Lage, sich damit auseinanderzusetzen.
6. Erste Kontaktaufnahme: Worauf achten?
Wenn Relevanz, Fit und Engagement passen, folgt der nächste Schritt: die Ansprache. Seien Sie von Anfang an transparent über Ihre Erwartungen, aber auch offen für die Perspektive des Creators – er oder sie kennt die eigene Community schließlich am besten. Wie ein gutes Briefing für die Zusammenarbeit aussieht, das wirklich beide Seiten weiterbringt, schauen wir uns im nächsten Artikel genauer an.